BDS-Praxistag aus der Sicht eines Studenten

Am 7. Mai 2022 fand der erste Praxistag des Berufsverbands Deutscher Soziologinnen und Soziologen an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel statt. Dieser befasste sich mit der Frage, was man genau mit der Soziologie in der Arbeitswelt macht und alles, was dazu gehört. Die Frage, was man nach dem Studium vorhat stellt sich wahrscheinlich jeder Student, so auch ich. Über meinen Professor (Carsten Stark), der die Veranstaltung in unseren Lehrveranstaltungen beworben hat, wurde mein Interesse geweckt und ich entschied mich teilzunehmen, um hoffentlich ein paar meiner Fragen und Unsicherheiten zu klären. Zusätzlich habe ich es als Möglichkeit gesehen, Soziologen und Soziologiestudenten aus anderen Universitäten oder Hochschulen kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen.

Anmeldung

Um Teilzunehmen, musste man sich vorab anmelden, das war sehr leicht, verständlich und bequem online möglich. Auf der Website des BDS konnte man sich vorab das Programm des Tages ansehen und sich im Anmeldeformular bei den Veranstaltungen eintragen, die einem am meisten interessieren. Zur Auswahl standen dabei drei 40-minütige Vorträge, eine 90-minütige Podiumsdiskussion und sechs Workshops, die zwischen 60 bis 90 Minuten gedauert haben. Alle Veranstaltungen haben sich mit dem Thema Soziologie in der Arbeitswelt befasst. Ich entschied mich dafür, mich für die drei Vorträge und danach noch einen Workshop anzumelden. Die Bestätigung meiner Auswahl habe ich dann auch zeitnah bekommen und musste damit nur noch auf den 07.05. warten.

Reise

Ich bin mit ein paar meiner Kommilitonen bereits am Freitag den 6.5. angereist, da ich vor hatte den Praxistag mit einem kleinen Kieler Stadtbesuch kombinieren wollte. Die Reise nach Kiel war angenehm, aber lang, weil ich aus Bayern angereist bin und die Lage geographisch nicht die beste war, um Gäste aus ganz Deutschland zu empfangen. Jedoch wurde der Praxistag, auch komplett online übertagen, sodass es mir auch möglich gewesen wäre von zuhause teilzunehmen.

Praxistag

Der Tag startete um 11:45 im Audimax der Christian-Albrechts-Universität mit einer kurzen Begrüßung. Beim Eintritt ins Audimax musste man seine Anmeldung davor noch einmal kurz mit einer Unterschrift bestätigen und konnte danach in den Tag starten.

Krankheitsbedingt ist der Vortrag über Online-Marketing leider ausgefallen und der erste Vortrag über Evaluationsmethoden wurde daraufhin von 12:00 Uhr auf 12:45 Uhr verschoben. Diese Planänderung hat aber dafür gesorgt, dass man mehr Zeit hatte sich in der Coffee-Lounge im Foyer bei Essen und Trinken mit den Anwesenden Studenten oder Soziolog*innen zu unterhalten. Außerdem konnte man sich in dieser Zeit auch mit verschiedenen Job-Insidern treffen und sich austauschen oder Fragen zu den spezifischen Berufsfeldern stellen, in denen sie gearbeitet haben. So konnte man konkrete Bereiche für sich persönlich schon mal erkunden und erfahren, inwieweit diese dann für einen ansprechend sind.

Ich habe mich auch mit ein paar Kieler Studenten unterhalten, die sich, aus ähnlichen Gründen wie ich, auch zum Praxistag angemeldet haben. Leider waren es sehr viel weniger Studenten, als ich mir erhofft hatte und die Möglichkeiten viele verschiedene Leute kennenzulernen war daher eher begrenzt. Kiel hat zwar sehr viele Studenten im Soziologischen und Sozialwissenschaftlichen Bereich, diese habe ich aber zu dieser Zeit und in den Vorträgen und Workshops später vergebens gesucht. In meiner Schätzung und von dem, was ich gehört habe sind abgesehen von mir noch ungefähr nur 20 andere Studenten über die Workshops und Vorträge verteilt gewesen. Eine mögliche Erklärung, wäre eine Onlineteilnahme der meisten Interessierten, das kann ich jedoch nicht einschätzen.

Um 12:45 startete dann auch der erste Vortrag von Saskia Ulrich über Evaluationsmethoden, in dem sie ihre Arbeit beim Centrum für Hochschulentwicklung als Senior Expert für Evaluationsmethoden kurz vorgestellt hat. Außerdem hat sie den Vorteil erklärt, den ihr die Soziologie bei der Arbeit bringt. Dazu zählte nicht nur die allgemeine Ausstattung mit Methoden eines ausgebildeten Soziologen, sondern auch die Fähigkeit Distanz aufzubauen, zu Reflektieren und die Perspektive zu wechseln, was zu neuen und interessanten Denkanstößen in fast allen Feldern führen kann.

Der zweite Vortrag begann um 13:30 Uhr und wurde von der ehemaligen Krankenschwester und jetzt Pflegeexpertin Dr. Susanne Look gehalten. Dabei ging es um die Ansätze, die die Soziologie in den Pflegebereich und dort vor allem die Sichtweise auf die Fehler- und Sicherheitskultur einbringt, an die davor aus medizinischer Perspektive nicht gedacht wurde. Außerdem hat sie an diesem Beispiel auch erläutert, wie man durch die Soziologie als Wissensübersetzer zwischen Wissenschaft und Pflege vermitteln kann.

Beide Vorträge waren sehr interessant und haben Einblicke in Anwendungsbereiche der Soziologie gegeben, von denen ich davor nicht wirklich dachte, dass die Soziologie dort so präsent wäre.

Nach dem Vortrag gab es eine 15-minütige Pause, die man auch wieder im Foyer verbringen konnte, um sich zu stärken oder um sich nochmal mit anderen Job-Insidern oder Studenten auszutauschen. Als dritter Punkt auf meiner Agenda startete um 14:25 Uhr das Podium: „Soziologie & Beruf – Eine Bestandsaufnahme“, bei der unter anderem Vertreter*innen des BDS, der DGS und der AS über die Lage der Soziologie und die Möglichkeiten am Arbeitsmarkt nach Studienabschluss diskutierten. Außerdem wurde über die Verbesserung dieser Situation gesprochen und wie man Soziologie für Studierende und Interessierte besser zugänglich macht. Diese Diskussion hat mir, wie die Vorträge auch, eine Menge neuer Informationen geboten und mir insofern geholfen, dass mir jetzt viel mehr neue Möglichkeiten für eine berufliche Laufbahn bewusst sind und mir die Unsicherheit, dass es „nicht mehr als Taxifahren“ ist genommen wurde.

Nach der Diskussion wollte ich noch einen Workshop über Methoden in der Soziologie besuchen, dieser ist aber aufgrund der mangelnden Teilnahme von Studenten entfallen. Durch die zahlreichen Möglichkeiten und die geringe Besetzung war es mir noch möglich einen anderen Workshop über Statistik in der Berufswelt zu besuchen.

Nachdem die Veranstaltungen im Audimax vorbei waren, gab es noch die Möglichkeit an einem geselligen Abend in einem Restaurant teilzunehmen. Auch diese habe ich wahrgenommen und hatte eine gute und interessante Zeit und konnte mich mit ein paar berufserfahrenen Soziologen ungezwungen unterhalten, und auch die ein oder andere Frage zu stellen.

Fazit

Zusammengefasst war der Praxistag eine sehr hilf- und lehrreiche Veranstaltung, mit vielen Angeboten, um sich über die Möglichkeiten zu informieren, die einem nach dem Abschluss in der Soziologie offenstehen. Das Kennenlernen und Vernetzen mit anderen Studierenden, das ich mir auch erhofft habe, ist leider aber deutlich zu kurz gekommen, was bei einer langen Anreise etwas enttäuschend ist. Schafft man es die Veranstaltung besser zu bewerben ist es eine Erfahrung, die ich jedem Studierenden und Interessierten, der sich über seine Zukunft noch unsicher ist, nur herzlichst empfehlen kann.

Teile gerne diesen Beitrag:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.