Wer braucht sozialwissenschaftlich Qualifizierte?


20 Jahre Blick in die Stellenangebote von „Die Zeit“

VON NORBERT SCHREIBER

(erschienen in der Soziologie Heute, Heft 2 2022)

Von 2001 bis 2021 waren in der Wochenzeitung „Die Zeit“ insgesamt 7.861 Stellen ausgeschrieben, die sich an BewerberInnen mit einem soziologischen oder sozialwissenschaftlichen Hochschulabschluss richteten. In 71% der Ausschreibungen waren allerdings MitbewerberInnen anderer Studiengänge zugelassen. So wurden zum Beispiel SozialwissenschaftlerInnen oder WirtschaftswissenschaftlerInnen oder beispielsweise SoziologInnen oder PsychologInnen gesucht.

Nach den Stellenanzeigen in der „Zeit“ gibt es für einschlägig sozialwissenschaftlich Qualifizierte in Deutschland vor allem in Berlin und mit deutlichem Abstand in Bonn Arbeit. In Berlin wurden nicht nur die meisten freien Stellen angeboten; das Stellenangebot war außerdem besonders vielfältig. Von insgesamt 16 Anbietergruppen traten in der deutschen Bundeshauptstadt immerhin 15 als Stellenanbieter auf. Ein recht vielfältiges Stellenangebot findet sich außerdem in Hamburg (14 Anbietergruppen). Besonders einseitig waren die Angebote aus Bremen (Universitäten) und Mannheim (Universität und Forschungsinstitute).

Aufschlussreich ist ein Blick auf die von den BewerberInnen erwarteten Qualifikationen. In den letzten 20 Jahren ist die Nachfrage nach Fremdsprachenkenntnissen deutlich gestiegen. Zunehmend findet sich in den Inseraten der Hinweis, dass Lehrveranstaltungen in Englisch durchzuführen sind oder dass im Arbeitsteam auch Englisch gesprochen wird.

Ob die Nachfrage nach Promovierten und praktischen Kenntnissen zur empirischen Sozialforschung wie im Jahr 2021 weiter sinkt, bleibt abzuwarten. Von den rund 7.900 Arbeitsangeboten für sozialwissenschaftlich Qualifizierte waren lediglich 43 % unbefristet. Für die Arbeitssuchenden lohnt sich ein differenzierter Blick nach Anbietern bzw. Anbietergruppen. Die kirchlichen Einrichtungen, die Fachhochschulen sowie Interessensverbände wie beispielsweise Gewerkschaften bieten überwiegend unbefristete Arbeitsverträge an. Demgegenüber fallen die staatlich geförderten Forschungsinstitute (z.B. Leibniz-Institute) sowie die Universitäten durch anteilmäßig besonders wenige unbefristete Stellen auf.

Bei den kirchlichen Einrichtungen und Interessenverbänden werden in der Regel zu den sozialwissenschaftlichen Qualifikationen bestimmte weltanschauliche Einstellungen erwartet. Die Stellenangebote der überwiegend weltanschaulich neutralen Fachhochschulen (Ausnahme: kirchliche Hochschulen) beziehen sich überwiegend auf Professuren, so dass hier eine Promotion meistens zwingend ist.

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